Stadt der Perlen: Architektur in Eilenburg

Architekt Uwe Giersdorff beurteilt die sächsische Kleinstadt als Wohnstadt

Architekt Uwe Giersdorff
Architekt Uwe Giersdorff

Wenn es um das Thema Immobilien geht, dann ist Uwe Giersdorff in Eilenburg ein Experte, wie kein Zweiter. Bereits, wie sein Vater, baut und saniert er als Architekt in Eilenburg öffentliche und private Gebäude – aktuell u.a. den Hortneubau in Eilenburg-Ost. Er gehört zu den vielen Eilenburgern, die es nach dem Abitur in die Fremde zog und die mit der Familiengründung zurückkehrten. „Eilenburg ist eben Heimat“, so der Architekt.  Wie beurteilt er aber die sächsische Kleinstadt als Wohnstadt?

 

Wer hier lebt, kennt schnell relativ viele Menschen

Eines der schönsten historischen Gebäude: die Bürgermeistervilla

Es ist nicht so anonym wie in der Großstadt, aber auch nicht ganz so familiär wie im ländlichen Raum. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten gibt es hier ein extrem gut funktionierendes Rathaus und dementsprechend kurze Wege. Für jedes Problem habe ich hier einen direkten Ansprechpartner. Ich kann zwischen verschiedenen Kindergärten und Schulen für meine Kinder wählen und finde für jeden das richtige. Die 3 Jungs können auch mal alleine als Räuberbande durch den Stadtpark ziehen oder mit dem Rad an DEN Ostsee fahren. Wenn man mal Ruhe braucht, dann geht’s raus in die Aue und wenn’s zu ruhig ist mit der S-Bahn nach Leipzig.

 

Architektonisch betrachtet beurteilt Giersdorff die Stadt zwiegespalten.

Eilenburg wurde durch den Krieg zerstört. Von der historischen Substanz blieben nur wenige Gebäude übrig. Weiteres wurde in der Euphorie der Nachwendezeit weggerissen oder ver-saniert. Dennoch gibt es sehr schöne alte Wohngebäude z.B. die Villen am Anger und am Dr.-Külz-Ring. Hier findet man Perlen wie die Bürgermeistervilla oder die Laaservilla.

Der Wasserturm von Eilenburg ist ein gutes Beispiel wie aus einer ungenutzten Ruine ein schickes Haus zum Wohnen wurde.
Der Wasserturm von Eilenburg ist ein gutes Beispiel wie aus einer ungenutzten Ruine ein schickes Haus zum Wohnen wurde.

Dem Leipzig-Trend Industriearchitektur zu schicken Loffts umzubauen, folgt Eilenburg selten. Aber auch hier gibt es nette Ausnahmen.

Viel – doch nicht alles - wurde  in Nachwendezeiten abgerissen. Erhalten blieb zum Beispiel ein altes Transformatorenhaus, in welches eine Kunstglaserei eingezogen ist. Im Stadtteil Berg wird gerade von einem privaten Wohnungsunternehmen eine alte Friedhofskapelle zum Wohnen umgeplant. Es gibt auch noch eine genutzte Mühle, einen Wasserturm oder eine Konzertscheune. Hier und da gibt´s diese netten und außergewöhnlichen Umnutzungen dann doch!

Wie sehr die Stadt Eilenburg ihre eigene Bausubstanz wertschätzt, erkennt der Besucher an Gebäuden wie Schulen, dem Rathaus und dem Bürgerhaus oder auch an den öffentlichen Gebäuden auf dem Burgberg.

Diese Gebäude wurden umfangreich saniert, so dass es im öffentlichen Bereich keine „Schmuddelecken“ mehr gibt. Wie Bahn, Stadt und ein privater Investor gemeinsam ein Stück Stadt zum besseren gestalten, zeigt sich dagegen am Beispiel des Hauptbahnhofs. Dort investierte die Talk-Point GmbH und zog mit Verwaltung und Logistik ein, die Bahn ließ einen Service-Point errichten und die Stadt investierte in die bauliche Gestaltung des Vorplatzes und ein RAD-Haus.  Im Ergebnis entstand nicht nur ein belebter, freundlicher Platz, sondern auch die Fahrgastzahlen der S-Bahn kletterten in die Höhe.

Moderne Gebäude wie das Bürgerhaus gibt es noch wenige. Doch das könnte sich bald ändern.

Der Erhalt der historischen Bausubstanz liegt ihm besonders am Herzen. Wenn eine Kleinstadt wie Eilenburg wachsen will, muss sie aber auch neu bauen. Hier wünscht sich der Architekt ein bisschen mehr Mut. „In Eilenburg wird wieder mehr privat gebaut. Moderne Architektur hat es allerdings schwer. Bei vielen Alltagsgegenständen ist der Mensch mit der Zeit gegangen. Ob Auto, Kleidung oder Fernseher alles ist neu und modern. Häuser sind aber oft noch so wie sie auch frühere Generationen gebaut haben. Das ist schade wundert er sich und hofft, dass auf den neuen Grundstücken immer mehr Eilenburger Selbstbewusstsein beim Eigenheimbau zeigen – damit künftig auch mehr moderne „Perlen“ die Stadt zieren.

 

Job bei Giersdorff Architekten
Job bei Giersdorff Architekten

 

Mehr über die Arbeit des Eilenburger Architekten erfahren Sie unter www.giersdorffarchitekten.de. Das Team der Giersdorff Architekten sucht auch Verstärkung. Alle Informationen zum Jobangebot finden Sie hier.