Kinder Betreuung (fast) wie daheim

Spielen, Basteln, Kickern und Theater spielen in der Arche

Alexandra und Silvia helfen freiwillig bei der Betreuung der Kinder.

Mit der 5. Klasse endet auch in Eilenburg die Hortbetreuung. Doch die Kinder mit 10 ganz allein zu Hause lassen, während man selber arbeiten muss, das bereitet vielen Eltern ein mulmiges Gefühl.  Yvonne Henselin, Leiterin der Kinder- und Jugendarche, kennt die Situation. „Die meisten Kommunen haben für die Grundschüler den Hort und für die Jugendlichen den Jugendclub. Doch dazwischen fehlen Angebote“, erzählt sie. Deshalb gründete die Eilenburgerin und ehemalige Pfarrerin vor 17 Jahren die Arche, ein Angebot der evangelischen Kirche „Martin Rinckart“. Unabhängig von ihrer Konfession können Kinder Mo-Fr 13 bis 18 Uhr in die Arche kommen und dort spielen, basteln, kickern, Hausaufgaben machen oder einfach von dem Schulalltag entspannen. Wichtig ist ein gutes Verhältnis zu den Eltern. In den Ferien gibt es zusätzlich eine Ganztagsbetreuung mit immer wechselnden Projekten.

Linda mag besonders die vielen Gesellschaftsspiele.
Linda mag besonders die vielen Gesellschaftsspiele.

Eine große Familie

Auch Linda (9) und Julien (9) kommen regelmäßig hierher. Man sieht – sie kennen sich hier gut aus. Schnurstracks steuern sie auf das Regal mit den Gesellschaftsspielen zu. Fernsehen, Handy, Internet und Co. brauchen sie hier nicht, um Spaß zu haben. Für Hausaufgaben gibt es dennoch einen eigenen PC-Raum. Kommen Fragen auf, wenden sie sich an Helfer wie Silvia (50) und Alexandra (21).  Beide Frauen beantworten Fragen, reden und spielen mit den Kindern. Die Atmosphäre ist familiär und warmherzig. Silvia hat selber 5 Kinder groß gezogen und weiß, wann Kinder Ruhe brauchen und wann sie beschäftigt werden müssen. Ihr macht es Spaß mit dem Team aus insgesamt 5 Helfern das Nachmittags- und Ferienangebot der Arche zu ermöglichen. Gerade in den Ferien ist die Nachfrage in der Arche so groß, dass Leiterin Yvonne Henselin die Kapazitäten fehlen, um all die Kinder aufzunehmen. Ihr Ferien-Theaterprojekt ist ein Höhepunkt des Jahres.

Die Arche neben der evangelischen Kirche in Eilenburg.
Die Arche neben der evangelischen Kirche in Eilenburg.

Die Arche vor dem Aus?

Knappe Kassen brachten der Arche dieses Jahr allerdings fast das Aus. „Wir hätten nächsten Sommer schließen müssen“, schildert sie die dramatische Situation. Doch die Arche in Eilenburg gab nicht auf. Hängen an dem Projekt doch nicht nur die Kinderbetreuung, sondern auch noch ein Flüchtlingscafé, ein Seniorentreff und eine Strickgruppe. „Wir haben uns für das Förderprogramm für Mehrgenerationenhäuser des Bundes beworben und von den Bundestagsabgeordneten die mündliche Zusage erhalten. Jetzt warten wir nur noch auf die schriftliche Bestätigung vom Bundesamt für Familien“, freut sich Yvonne Henselin. Die großartige Neuigkeit erreichte sie bereits im September. Mit 30.000 Euro vom Bund und einer weiteren Finanzspritze der Kommune in Höhe von 10.000 Euro sind jetzt die nächsten vier Jahre der Arche gesichert.

Rettung als Mehrgenerationenhaus

Gerade für Familien, die neu aus Leipzig herziehen, weil sie sich in Eilenburg ein Einfamilienhaus bauen oder eine Wohnung kaufen wollen, sind das gute Nachrichten. Die Kinder finden in der Arche schnell Anschluss. „Bei uns ist alles ein bisschen familiärer“, erklärt die Leiterin. Mit dem Geld kann nicht nur die einzige Festanstellung der Arche gerettet. Außerdem rücken die unterschiedlichen Gruppen in einem Mehrgenerationentreff näher zusammen. Ohne die ehrenamtliche Unterstützung der vielen Eilenburger vor Ort geht das dennoch nicht. Doch genau das macht die Arche so besonders: Dass hier Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters zusammenkommen und voneinander lernen.

 Kontakt: Tel: (03423) 604033, kiju-arche@gmx.de