Ein gelungenes Beispiel für Stadtmarketing

Geografiestudent schreibt Abschlussarbeit über Wohnstandortkampagne „Lieblingsstadt Eilenburg“

Karsten Winkler schrieb seine Master-Arbeit über die Wohnstandortkampagne „Lieblingsstadt Eilenburg“.
Karsten Winkler schrieb seine Master-Arbeit über die Wohnstandortkampagne „Lieblingsstadt Eilenburg“.

Karsten Winkler ist 28 Jahre alt und stammt aus dem Umland von Oschatz. Nicht zuletzt deshalb interessiert sich der Geografiestudent für den ländlichen Raum. Als die Wahl eines Themas für seine Abschlussarbeit anstand, stieß er im Internet auf einen Artikel zur Wohnstandortkampagne „Lieblingsstadt Eilenburg – Das Beste an Leipzig“. Karsten Winkler war sich schnell sicher, den geeigneten Forschungsgegenstand gefunden zu haben. „Viele Abschlussarbeiten drehen sich um großstädtische Themen wie Gentrifizierung. Aber der ländliche Raum wurde bisher kaum beleuchtet“, begründet er seine Themenwahl.

In der Arbeit geht es um die Frage, ob die Eilenburger Wohnstandortkampagne Einfluss auf den Bevölkerungszuwachs der letzten Jahre hatte. Um das herauszufinden, wertete Karsten Winkler nicht allein Tabellen und Fachliteratur aus. Er befragte die, die es am besten wissen müssen: die Neu-Eilenburger selbst. Acht Interviewpartner stellten sich zur Verfügung – überwiegend junge Familienväter oder -mütter im Alter zwischen 35 und 40 Jahren.

Grafik zum Bevölkerungswachstum Eilenburg
Tabelle aus Karsten Winklers Arbeit: Jährliches Bevölkerungswachstum der Stadt Eilenburg, des Landkreises Nordsachsen und des Freistaates Sachsen 2012–2017 in Prozent. Gebietsstand vom 01.01.2018. (Quelle: Karsten Winkler)

Die meisten Befragten hatten bereits eine Beziehung zu Eilenburg, stammen entweder selbst aus der Stadt oder haben Verwandtschaft in der Region. Viele zogen vor Jahren aus wirtschaftlichen Gründen in die alten Bundesländer – damals war die Situation auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt alles andere als rosig. In der Absicht, eine Familie zu gründen, kehrten sie nun zurück. Das soziale Umfeld und die familiäre Unterstützung bei der Kindererziehung waren ihnen wichtiger als die höheren Löhne im Westen. Fast alle Befragten arbeiten in Leipzig. Ermöglicht hat den Zuzug also die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Winkler ist sich sicher: „Das wäre vor Jahren noch nicht möglich gewesen.“

Eilenburgs Vorteile liegen nach Aussage vieler Befragter im Preis und in der Qualität der Grundstücke. Die sind „möglichst groß, möglichst ruhig, möglichst grün“, wie Winkler ausführt. Ein Interviewpartner hob positiv hervor, dass in Eilenburg alle Besorgungen des täglichen Lebens per Fahrrad erledigt werden können. Er fährt zum Arbeiten mit der S-Bahn nach Leipzig und spielt deshalb mit dem Gedanken, sein Auto zu verkaufen.

„Möglichst groß, möglichst ruhig, möglichst grün“. Der Geografiestudent erläutert die Vorzüge Eilenburger Baugrundstücke.
„Möglichst groß, möglichst ruhig, möglichst grün“. Der Geografiestudent erläutert die Vorzüge Eilenburger Baugrundstücke.

Wie lautet denn nun das Ergebnis der Untersuchung – hängt der Einwohnerzuwachs direkt mit der Wohnstandortkampagne zusammen? Nun, keiner von Karsten Winklers Interviewpartnern sei alleine der Kampagne wegen nach Eilenburg gezogen. Um deren Existenz wussten aber alle. Ein zugezogener Herr ohne familiäre Anbindung betonte, wie willkommen er sich in der Stadt gefühlt habe. Karsten Winkler führt das auf die Kampagne zurück, denn die suggeriert: „Ihr könnt gerne zu uns kommen“. Laut Winkler ist die wichtigste Erkenntnis seiner Arbeit, dass die Kampagne von den Leuten gelebt wird. Viele Eilenburger erkennen nun: „Wir haben Grund, auf unsere Stadt stolz zu sein!“ Deshalb handelt es sich um ein gelungenes Beispiel für Stadtmarketing. Es wird eine Marke kreiert, die sagt: „Es ist toll hier, wir können viel anbieten und ihr dürft euch gerne beteiligen.“ Das nehmen viele Eilenburger zum Anlass, die Vorzüge ihrer Stadt auch nach außen zu kommunizieren.

Im April verteidigt Karsten Winkler seine Master-Arbeit. Doch schon jetzt hat er eine Arbeitsstelle gefunden. Wie das Leben manchmal spielt, arbeitet er in Eilenburg. Im Landratsamt Nordsachsen beschäftigt er sich mit Kreisentwicklung. Für seinen Job pendelt Karsten Winkler täglich von seinem Wohnort Leipzig nach Eilenburg. Er kann sich jedoch durchaus vorstellen, einmal in Eilenburg sesshaft zu werden. Denn, und das sagt der Geograf voller Überzeugung: „Man kann die Stadt als Wohnort empfehlen. Vor allem wenn man eine Familie gründen oder sich seinen Traum vom eigenen Haus erfüllen möchte.“

Nach 10 Jahren zurück

Arbeiten in Eilenburg